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#16 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Tical 28.11.2019 06:46

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Letztendlich kam doch mehr heraus als ich erwartet hatte. Bin insgesamt zufrieden. Führe nach der Arbeit meine Gedanken weiter aus, aber bevor ich etwas vergesse:
- Rakitic abgesehen von seinem Fehlpass in der 1./2. Minute mit einem soliden Spiel. Dafür dass er vorher wochenlang außen vor war, war er oft an Aktionen beteiligt
- Das 1:0 und 2:0 spiegeln wider, warum Suarez noch immer unangefochten Stammspieler ist: das Verständnis mit Messi ist einfach perfekt. Gerade der Laufweg beim 2:0, wann sie auf einander passen, das ist nicht mehr bloß einstudiert, die kennen ihr Verhalten auf dem Rasen wie wohl nur Xavi und Iniesta es taten. Das 2:0 war quasi nicht zu verteidigen weil Dortmund eigentlich in der Vorwärtsbewegung war, aber Messi und Suarez sind trotzdem ein perfektes Duett, das jetzt im Herbst ihrer Karrieren keiner besser machen kann wenn man da jetzt etwas aufweicht und außeinanderreißt
- Barca spielte tatsächlich mit einem Plan, den ich erkannt habe! Es gab im Prinzip mehrere Verhaltensweisen, die man nacheinander wechselte: Ballbesitz und sich den BVB zurechtlegen, sich zurückziehen und dem BVB Ball + Feld überlassen, Pressing und Nadelstiche gegen den BVB. Und: zu 99 % funktionierte alles! Woanders wird man sicher lesen, dass man nur gewann weil der BVB erschreckend schlecht war. Ich sehe da deutlich mehr.

Übrigens, laut TM hat Dembele eine Knöchelverletzung, Wolff Fuss bei Sky sagte gestern, es ist eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel. Letzteres klingt ja schon sehr nach "fällt für den Clasico aus". Hm.

#17 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Falcon 28.11.2019 09:43

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Das würde auch eher erklären warum er die Schuhe ausgezogen hatte, und es sah auch so aus, als ob es ihn da im 16er beim Aufkommen verdreht hat.
Das ist dann schlichtweg Pech, da kann man ihm nichts vorwerfen wie vielleicht bei was muskulärem, wo sein Lebenswandel doch durchaus eine Rolle spielen kann.

Mich ärgert halt, dass man wieder so zurück geschalten hat bei einem gefährlichen Spielstand. Es war ja schon beim Stand von 2:0 so. Das 3:0 kam aus einem Konter raus, als man durchaus schon unter Druck stand.
Wenn man Dortmund weiter so presst wie in der 1. HZ und dann noch 1 oder gar 2 drauf legt, dann ist der Wille gebrochen. So macht man denen unnötig Hoffnung. Geht der Schuss von Dortmund in der 80. nicht an die Latte sondern rein, dann brennt es in der Endphase noch Lichterloh.

Firpo und Umtiti haben mir sehr gut gefallen. Das 2. Tor geht zu 80% auf Frenkie, wie er da schaltet und genau sieht wo der IV (glaub Hummels war es auch dieses mal) da den Ball hin spielen will und ihn abfängt ist große Klasse.
Rakitic und Busquets am Ball leider immer wieder schlampig und verträumt. Bei Rakitic kann man das Fehlen der Präzision auf Grund der mangelnden Praxis noch irgendwo verstehen, Bei Busi gibt es aber keine Entschuldigung. Im Pressing war Rakitic jedoch gold wert. Es gibt kaum jemanden der beim Anlaufen so einen guten Deckungsschaden herstellt wie er. Das wird oft unterbewertet. Er hatte keinen unwesentlichen Anteil an der guten ersten Hälfte.
In der 2. jedoch waren wieder ein paar erschreckende Szenen drinnen. Speziell wenn Frenkie den Ball hatte. Er wird da z.T. von 3-4 Dortmundern angegangen und KEINER fühlt sich bemüßigt auch nur 3 Schritte zu machen um anspielbar zu werden. Alle schauen sie zu.

#18 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Rumbero 28.11.2019 09:50

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Laut Verein hat Dembélé eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel. Das Übliche also!

#19 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Rumbero 28.11.2019 10:43

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Heute beschäftigt mich mal wieder das Thema "Verwaltungsmodus", hier mal ein paar Ideen dazu zur Diskussion:

Ursprünglich nahm ich an, es sei einfach eine unbewusste Routine, in die die Mannschaft irgendwann verfällt. Was dazu nicht passte, war die Beobachtung, dass trotz der offensichtlichen und wachsenden Probleme, die er zur Folge hat, man immer wieder so verfährt. Es ist also - wie immer - komplexer.

Eine Frühform des Verwaltungsmodus gab es schon unter Pep: der Gegner wurde 70 Minuten ordentlich gepresst, aufgrund der Brillanz der Offensivkräfte waren viele Spiele zu dem Zeitpunkt längst entschieden und der Gegner hatte die letzten 20 Minuten physisch genauso wenig zuzusetzen wie Barça, wenn er nicht ohnehin mental längst aufgegeben hatte. Das war offenbar für viele Säulen der heutigen Mannschaft prägend. Dass sie selbst inzwischen Ü30 sind und die Physis der meisten europäischen Spitzenfußballer sich in den letzten 10 Jahren doch ordentlich weiterentwickelt hat, erleben wir inzwischen nicht mehr ein gemütliches Nach-Hause-Schaukeln, sondern eine müde bewegungsarme Mannschaft, die regelmäßig den Gegner wieder ins Spiel zurückholt und den eigenen Vorsprung in Gefahr bringt.

Während der Lucho-Jahre wurde es zur Gewohnheit, auch früh nach knappem Vorsprung einen Gang zurückzuschalten. Wie weit das der Alterung der Spieler zuzuschreiben war, dem Versuch, die Kondition über die für manche 70 Spiele lange Saison zu erhalten oder auch taktischen Vorgaben seitens des Trainers, lässt sich nicht feststellen. Vermutlich von allem etwas und natürlich die unbewusste Haltung, dass da ein Messi mitspielt, der immer etwas aus dem Hut zaubern kann.

In den letzten Jahren hat sich das noch verstärkt. Inzwischen - siehe Rom und Anfield - wird nach erfolgreichem Hinspiel schon ab der 1. Minute verwaltet. Es ist durchaus möglich, dass Valverde dazu beigetragen hat. Einmal als konservativer Trainer, der auch mal auf Ergebnis spielt, aber auch als ein Trainer, der um die Überalterung der Säulen seiner Mannschaft weiß, und versucht, unter den gegebenen Umständen das Maximum herauszuholen. Man sieht das ja auch an seinen Wechseln von Defensivkräften für Offensivleute, wenn nach gewisser Zeit ein knapper Vorsprung da ist. Er knüpft damit aber nur an eingeübte Verhaltensweisen an. Motivationsdefizite, eine unprofessionelle Lebensweise einzelner und eine gewisse Überheblichkeit tun ihr Übriges!

Was ich aber immer noch gern wissen würde, ist, wer wie wann zum Rückzug bläst. Wahrscheinlich ist es eine Kette von körpersprachlichen Signalen der führenden Spieler, die dazu führen, dass man den Gegner nicht mehr so intensiv attackiert.

Inzwischen stößt der Verwaltungsmodus an seine Grenzen, ein anderer Gegner als das zutiefst verunsicherte Dortmund nutzt dann eben den Raum, dem man ihm bietet. Ich befürchte, dass wir das früher erleben, als uns lieb sein kann. Vielleicht schon im Achtelfinale.

#20 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Johann 28.11.2019 13:10

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https://www.kicker.de/4612149/spieldaten...sia-dortmund-17

anbei einen statistischen Vergleich der Mannschaften.
Klar jeder Spieler hat eine andere taktische Aufgabe, daher ist es nicht immer leicht zu vergleichen.
Aber wenn wir einen x-beliebigen Spieler unserer Mannschaft mit einer ähnlichen Position Spieler vergleichen (ist auf dieser Seite möglich), entspricht das durchaus meinem Eindruck.
Und der ist insgesamt alarmierend.
Ballbesitz ist mau
Angekommene Pässe ist mau
Aber macht Euch selber ein Bild
Ich war nie ein Fan der Radfahrer-und RudererMannschaften die Fußballspielen, aber das "Ausspielen" von laufstarken Mannschaften funktioniert halt bei uns auch nicht mehr so gut, wie in früheren Jahren der Blütezeit.
Zurückschalten muss dann halt auch funktionieren. Wir sind schon oft dabei auf die Schnauze gefallen.

#21 RE: FC Barcelona vs Borussia Dortmund (27.11.2019) von Tical 28.11.2019 18:25

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@Rumbero:
Meiner Meinung nach ist die einzig logische Erklärung die Kondition. Wenn der Trainer will, dass du (notfalls) noch in der 89. zum Vollsprint ansetzen kannst, dann machst du in der 55. keinen Vollsprint. Dafür, dass der Gegner nicht mehr rankommt, wenn es nach 55 Minuten schon 4:0 oder 5:0 steht, gibt es keine Garantie. Ich bin kein Fachmann, darum kann ich mir das nur so erklären, dass EV seinen Spielern sagt: "Haushaltet weise mit eurem Kontingent, ihr müsst immer bereit sein!" oder sowas. Ich meine jedoch mich zu erinnern, dass es auch schon mal Zeiten gab, wo man beides konnte. Powerfußball am Anfang und in der Schlussphase trotzdem noch genug Puste haben.
Ich glaube, der Rückzug ist eine klare taktische Vorgabe an alle Spieler. Wenn wir lange nach Valverdes Philosophie gesucht haben, dann haben wir sie jetzt vielleicht gefunden: Schaut, was gut funktioniert, legt dem Gegner einen Köder aus und igelt euch ein, versucht dadurch zu kontern und seid immer bereit, Löschwasser zu holen wenns brennen sollte. (Im Prinzip ist dieser Rückzug das Verhalten, was Messi seit ein paar Jahren oft macht: Herumtraben, Kräfte sparen, nicht jedem Ball nachrennen. Das nur am Rande.) Schlecht war das gestern ja aber nicht. Dadurch, dass Dortmund anrennen durfte, ergaben sich logischerweise die Räume, die man vorher bei eigenem Ballbesitz nicht gefunden hat. Hier stellt sich zumindest mir die Frage nach der Legitimität nicht.

@Johann:
Wow, ich habe von Sky komplett andere Zahlen in Erinnerung. Es wurde nach ca. einer Stunde der Ballbesitz eingeblendet, da stand es 56:44 für Barca. Ich weiß leider nicht mehr, ob das nur für Hälfte 1 oder die erste Viertelstunde von Hälfte 2 galt, aber dass Dortmund jetzt insgesamt so viel mehr Ballbesitz hatte, fällt mir zu glauben schwer :).

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